19. September 1910 – Fräulein von Parish erhält Post

Heute habe ich in einem Postkartenstapel von der Ulmer Messe ein Schreiben an die Familie von Parish entdeckt. Im Kartentext gibt sich der oder die Verfasser:in nicht zu erkennen und adressiert die Zeilen an „Muserle“.

„Musi“ oder „Muserle“ war der Spitzname von Hermine Elisabeth „Herriet“ von Parish, wie mir Dr. Esther Sophia Sünderhauf von der Von Parish Kostümbibliothek erklärte. Ihre Mutter war Hermine Viktoria von Parish. Die Familie von Parish war eine extrem reiche Großhandelsfamilie aus Hamburg. In München heiratete Edmund von Parish die Tochter des aus Ungarn stammenden Malers Emanuel Spitzer, Hermine Viktoria Spitzer. Diese tat sich besonders hervor durch die Sammlung von Büchern, Fotografien und Unterlagen zur Mode- und Kostümgeschichte.

Hermine von Parish (1907–1998)

1945 gründete die Mutter in München die „Von Parish Schule für freie und angewandte Kunst“, welche später von ihrer Tochter Hermine weitergeführt und in die Von Parish Kostümbibliothek in Nymphenburg überführt wurde. Diese gehört heute weltweit zu den größten ihrer Art und ist Teil der Sammlungen des Münchner Stadtmuseums.

Der Inhalt der Karte vom 19. September 1910 ist ein kleines Kuriosum: Scheinbar schrieb der oder die unbekannte Verfasser:in ein paar Zeilen an die erst dreieinhalbjährige Hermine. Vermutlich musste die Karte dem Mädchen noch vorgelesen werden. Aus den Zeilen geht hervor, dass Hermine von Parish Jun. einen Besuch verpasste, da sie gemeinsam mit „Mamale“ (ihrer Mutter?) eine Reise nach Oberammergau unternommen hatte. Abschließende Grüße gingen auch an das Dienstmädchen Fräulein Emmi.

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