1. August 1926 – Zeugnis der umfangreichen Buchdrucke der BSB

Diese unscheinbare und relativ krakelige Karte, ist Beleg für das Renommee der Sammlung alter Buchdrucke in der Bayerischen Staatsbibliothek, deren Ruf über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus und den wissenschaftlichen Austausch von Geisteswissenschaftlern in der Weimarer Republik.

Zuerst erwartete ich ein langweiliges Amtsschreiben, da die Freimachung mit einer Dienstmarke auf einen behördlichen Gebrauch schließen ließ. Als ich aber sah, welche Behörden es betraf stiegen meine Erwartungen: Ein fachlicher Austausch zwischen der Sammlung für Christliche Archäologie und kirchliche Kunst an der Universität Halle-Wittenberg und der „Staatsbibliothek“ in München. Der Adressat Professor Dr. Schlottenloher ist mit Karl Schlottenloher zu identifizieren, auch wenn er meines Wissens nie habilitiert wurde.

Schlottenloher beschäftigte sich beruflich mit besonders wertvollen alten Inkunabeln und Buchdrucken der Staatsbibliothek, die im Grunde auf die Hofbibliothek Herzog Albrechts V. von Bayern aus dem Jahre 1558 zurückgeht. Der damalige Oberbibliothekar forschte insbesondere zur frühen Buchdruckgeschichte im frühen 16. Jahrhundert. Er war damit genau der richtige Ansprechpartner für den anfragenden Herrn Sticker aus Halle an der Saale.

Dieser war nämlich für ein unbekanntes Vorhaben an sogenannter Sterbeliteratur interessiert. Na, jetzt wurde ich erst recht hellhörig, schließlich habe ich zur gleichen Thematik in der Kunstgeschichte promoviert. Tatsächlich erbittet Herr Sticker Einsicht in Werke, die auch ich konsultiert habe. Und dank der großartigen Digitalisierungsarbeit der BSB können wir uns diese Werke heute bequem von zu Hause ansehen: Ars moriendi, das ist die Kunst zu sterben, Huttler, Augsburg, 1878 || Manuale curatorum predicandi prebens modum, Johann Ulrich Surgant, Johann Schöffer, Mainz, 1508 || Agenda Saltzburgensis, Jakob Wolff, Basel 1511 || Schatzbehalter, Stephan Fridolin, Anton Koberger, Nürnberg, 1491.

Stephan Fridolin: Schatzbehalter, Nürnberg 1491, BSB, Rar. 293 b
BSB, Rar. 293, keine Seitenzählung, Fol. 4v
BSB, Rar. 293, keine Seitenzählung, Fol. 44v

Welche geforderten „Ritualbücher der Augustinereremiten“ der Münchner Bibliothekar seinem Kollegen anbieten konnte vermag ich nicht zu rekonstruieren. Auch nicht welcher handschriftliche Kodex (Cod. Lat. 24759) sich damals in Halle befunden haben soll, der ebenfalls aus der Feder der Augustiner stammt. Ein weiteres Rätsel stellen die stenografischen Zeichen zwischen den Literaturangaben auf der Vorderseite der Karte dar, die ich schlichtweg nicht lesen kann. Ich freue mich über Hinweise.

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