Von einem Händler auf der Auer Dult konnte ich 37 Schriftstücke aus dem Nachlass des Münchner Kunstmalers Friedrich „Fritz“ Ballenbergers erstehen. Philatelistisch waren die Objekte nicht attraktiv, die Postkarten zugegebenermaßen schwer zu lesen aber die Kuverts immerhin mit Inhalt.
Versucht man etwas über das Leben Ballenbergers zu erfahren, so stößt man schnell an Grenzen. Dank der Matrikelbücher der Münchner Kunstakademie wissen wir immerhin, dass er als Nummer 5063 am 21.04.1884 mit 19 Jahren die Antikenklasse belegte, sein Vater königlicher Hauptkassier war und er selbst der protestantischen Religion angehörte. Ein Jahr später trat er in die vorbereitende Schule ein.
Ballenberger scheint zeitlebens kein besonders gefragter Künstler gewesen zu sein und so finden sich auch heute keine Kunstwerke im Stadtbild. Einzelne Auktionshäuser wie Bassenge schlagen in den letzten Jahren jedoch immer mal wieder einige Öl- und Aquarellstudien zu.

Weitere biografische Angaben sucht man vergebens. Weder Lexika wie deGruyter und Thieme Becker, noch die GND oder genealogische Datenbanken kommen über seinen Geburtstag vom 06.04.1865 hinaus. Sein Wirken in München wird nur anhand des Münchner Kunst-Vereins dokumentiert, innerhalb dessen Friedrich von 1893 bis 1900 nachweisbar ist. Für die Zeit danach schaffen die neu gefundenen Karten und Briefe einen Mehrwert, denn mein letztes von Fritz verfasste Schriftstück datiert vom 16. August 1915, das letzte an ihn adressierte Schreiben ist im Februar 1916 verbrieft. Allein die Adressbücher Münchens beweisen aber, dass der Kunstmaler Friedrich Ballenberger noch mindestens bis 1930 an der gleichen alten Adresse in der Gewürzmühlstraße 9 II lebte.


Nun aber zu Friedrichs Reise! Wie und wo genau diese verlief, vermag ich nicht zu 100% zu rekonstruieren, da mein Briefbestand nur einzelne Zeugnisse enthält. Aus diesen geht hervor, dass weitaus mehr Reiseziele angelaufen und Briefe geschrieben wurden. Was aber die neun Karten des Herbstes 1895 verraten ist durchaus interessant und spannend, insbesondere für Werkgenese und Arbeitsweise des Künstlers.
Ballenberger berichtet aus vielen Orten, die zeigen, dass er über Kufstein nach Italien reiste, von Venedig aus mit dem Schiff ins heutige Slowenien und dann nach Kroatien. In Fiume, dem heutigen Rijeka, malte er die weiter oben gezeigte Studie. Erneut mit dem Schiff ging es nun nach Ancona und von dort wählte er den Rückweg über Rom, Orvieto, Florenz und Bozen.
Friedrich reiste dabei nicht alleine, sondern begleitet von seiner Frau, die er liebevoll Otta oder Otterl nannte (entweder von Ottilie oder Lotte). Diese war offensichtlich auch auf einer Kunstschule gewesen, denn Friedrich bittet in einem Brief nach Hause, ob man Ottas Matrikel der Jahre 1891 und 1894 nachschicken könnte, die man leider bei der Abreise vergessen hatte.

Aber lassen wir Fritz doch selbst zu Wort kommen, über Reiseerlebnisse und Kunstschaffen: „Triest den 19.09.1895. Vorgestern Abend haben wir um 6h das schöne Venedig wieder verlassen, mit nicht allzu schwerem Herzen, denn die Quartiere waren wirklich unausstehlich. Wir hatten zur Überfahrt eine wunderbare Abendbeleuchtung und eine stille ruhige Nacht. Um Mitternacht kamen wir in Pirano an, (Meerleuchten gesehen!) schliefen noch bis zum Morgen recht gut auf dem Schiffe, gingen dann über Isola nach Capo d’Istria von da mit Segelboot nach S. Nicolò und weiter zu Fuß (nur eine Stunde herrlicher Weg) nach Muggia. Dort fanden wir gestern Abend sehr gute Unterkunft, und gelangten heute Früh mittelst Dampfer hier an. Es geht uns beiden sehr gut. Wetter ist prächtig, nur etwas zu warm. […]“
„Ancona, den 29.09.1895. Wie Du siehst sind wir bereits im schönen Ankona angekommen u. zwar sehr wohlbehalten. Die Überfahrt war sehr schön. Viele Delphine. Bei unserer Ankunft hier war alles geflaggt und ist jetzt große Illumination und öffentliches Concert. Natürlich alles uns beiden zu Ehren. Es ist übrigens heute auch gleichzeitig ein großes Fest hier.“

„[Liebe Mutter] Im Packet aus Fiume wirst Du sorgfältig eingewickelt ein Fläschchen Maraschino finden. Nimm es bitte als kleines Geburtstagsgeschenk und trinke es selber auf Dein Wohl. Wir haben noch genug davon. Laß es nur recht gut schmecken. Wir trinken auch furchtbar viel Wein namentlich Otta. Sie schaut gerade nicht her, drum trau ich mirs zu schreiben.“
„Wir reisten von Rom mit schwerem Herzen ab (Samstag den 19. 9:30h) und kamen um Mittag (13:08 Uhr) nach Orvieto mit seinem berühmten Dom. Dort blieben wir über Nacht (aber nicht im Dom!) und fuhren Sonntag den 20. 6:15 früh nach Florenz (an 13:45 Uhr) Hier fanden wir sofort Unterkunft und besuchten auch am Nachmittag den Bargello (Nazionalmuseum) und den giardino de Boboli wo ich damals meine Studie zum großen Bild gemalt) Gestern waren wir in verschiedenen Kirchen und im palazzo Buonarotti, Mittags hat unser liebes Otterl ausgezeichnete Suppe und Schnitzel gemacht, dann sind wir zur Höhe der piazza Michelangelo, wo ich auch Studien begann, da ich aber wegen Einbruchs der Nacht nur 20 Min. arbeiten konnte, gehen wir heut noch einmal hinauf. Florenz gefällt mir (und auch Otta) viel besser als Rom! Es ist hier alles so heiter und so fein.“
Schade, dass von den beschriebenen Florentiner Kunstwerken bisher keine der Öffentlichkeit bekannt geworden sind. Ich kann mich in der Städtebewertung den Ballenbergers nur anschließen und fühle mich beim Lesen immer wieder an meine dortigen Besuche erinnert.